Zum Ende des «Duftrosenjahres»

Man kann wirklich von einer grossen Leistung sprechen, wenn eine Rose bis zum ersten Schnee unverdrossen ihre Blüten und Knospen hervorschiebt. Die spät im Jahr aufgegangene Schönheit gibt nicht auf, blüht trotz eisigem Wind, der von Norden übers Land fegt und obwohl der Himmel grau verhangen ist, munter vor sich hin. Schnuppert man an der zarten Blüte, riecht man ihren unverkennbaren Duft, wenn auch deutlich verhaltener als im Sommer.
Während ich diese Zeilen schreibe, denke ich an die rosa angehauchten Blüten von ’New Dawn’. «Meine» wuchs typisch zickzackartig die Wand des Holzschopfs hoch.
Ich rieche sie auch. Nicht, dass sie auf meinem Schreibtisch steht. Nein, ich muss nur die Augen schliessen, mir vorstellen, dass ich vor «meiner» ’New Dawn’ in meinem ehemaligen Garten stehe und schon nehme ich ihren Duft wahr. Die einen mögen jetzt sicherlich denken, also von einer starkduftenden Rosensorte kann man bei ’New Dawn’ nicht sprechen. Das mag wohl richtig sein, zu den absoluten Duftrosen, wie beispielsweise ’Rose de Resht’, ’Mme Isaac Pereire’ oder ’Gertrude Jeckyll’ gehört sie wirklich nicht. Aber auch ein eher zurückhaltender Duft kann entzückend sein. Insbesondere an einem verschneiten grauen Wintertag tut er unserer Seele besonders gut… Geniessen wir ihn, wenn auch nur in Gedanken!
In der Hoffnung, dass Ihnen liebe Rosenfreunde, die eine oder andere (Duft)Rose auf der Weihnachtstafel erblüht – wenn nicht, einfach für einen Moment die Augen schliessen und in Gedanken durch den Garten wandern – wünsche ich Ihnen allen ein gefreutes Weihnachtsfest und einen glücklichen Start ins neue (Rosen)Jahr.

Herzlichst Brigitt Buser

New Dawn
‘New Dawn‘ im Garten von Regina, Fischer Mörschwil
Bild: Maria Nyffenegger

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