Wie alles begann

Rückblick

von Theo Zwygart

In der heutigen schnelllebigen Zeit ist es trendy, Vergangenes ruhen zu lassen, sich mit Gegenwart und Zukunft auseinanderzusetzen und entsprechende Szenarien zu entwickeln. Mir scheint es trotzdem wertvoll, bei einem 50-JahrJubiläum einen Marschhalt einzulegen und den Blick etwas zurückschweifen zu lassen. Dabei lassen sich die «ersten Tage» der Gesellschaft Schweizerischer Rosenfreunde (GSRF) wieder einmal etwas beleuchten. Auch jüngere Mitglieder erfahren dadurch, wie es zu den Anfängen unserer Gesellschaft kam, welche Persönlichkeiten in der Gründungszeit beteiligt waren, welche Zielsetzungen man anfänglich formulierte und welche Hauptaktivitäten sich daraus bis heute entfaltet haben.

Die folgenden Ausführungen stützen sich z.T. auf Ausführungen von Hans Rathgeb (Rosen in der Schweiz, 1985) sowie von Dietrich Woessner (Rosenblatt Nr. 5, 1999) und die ersten Nummern der Jahresschriften von «Das Rosenblatt».

Wie es zur Gründung kam

Eigentlicher Begründer der Gesellschaft Schweizerischer Rosenfreunde ist der Gärtnermeister Dietrich Woessner, der als Gartenbaulehrer an der Landwirtschaftlichen Schule des Kt. Schaffhausen in Charlottenfels tätig war. Er hatte dort eine beachtliche Rosenanlage geschaffen, in der er die Rosen beobachtete, Versuche anlegte und breite Erfahrungen zum Thema Rosen sammelte. Seine Erkenntnisse legte er 1951 im «Buch der Rosen» dar, einem Werk für Fachleute und Liebhaber «über die Anzucht, Verwendung und Pflege der Rosen». Bereits 1957 erschien die Zweitauflage dieses Buches, welcher ein Schreiben von Dietrich Woessner als Losezettel beigefügt war.

Die Reaktionen liessen nicht lange auf sich warten und es meldeten sich einige Dutzend Interessentinnen und Interessenten bei Dietrich Woessner.

So scharte sich am 23. Dezember 1958 eine kleine fünfköpfige Pionier-Gruppe in Zürich zusammen: Im Gespräch kam zum Ausdruck, dass eine Vereinigung für Rosenliebhaber einem realen Bedürfnis entspreche. Deshalb plante man die Formalitäten der Gründung und brachte auch die Statuten zu Papier.

Die Gründungsversammlung der Gesellschaft Schweizerischer Rosenfreunde fand am 23. Mai 1959 im Zunfthaus zur Saffran in Zürich statt. Von Rosen und Musik umrahmt. Dietrich Woessner erläuterte den über 50 Anwesenden die Grundidee der Initianten. Nach vollzogener Gründung erfolgte die Wahl von Prof. Dr. Gottfried Boesch, Konservator von Schloss Heidegg, Gelfingen/LU zum ersten Präsidenten, zusammen mit einem sechsköpfigen Vorstand (Dietrich Woessner, Carl Hauenstein, Fritz Kummer, Willy Liechti, Erwin R. Stalder und Frau Lotte Günthart-Maag).

Um die neugegründete Gesellschaft Schweizerischer Rosenfreunde auch gegen aussen bekannt werden zu lassen, beging man die eigentliche Gründungsfeier am 5. Juli 1959 als feierlichen, stimmungsvollen Festakt im Berner Rathaus. Nach einem Mittagessen im Casino fanden sich die Gründungsmitglieder im Rosengarten zusammen, um ein Referat von Prof. G. Boesch zum Thema «Bern und sein Rosengarten im dichterischen Werk von Rainer Maria Rilke» anzuhören.

Aus dieser Wunschliste ist nicht alles realisiert worden. Immerhin leiteten sich aus diesen allgemeinen Zielen die Statuten der GSRF ab, die in den Grundzügen seit der Gründung 1959 bis heute bestehen blieben. Leichte Ergänzungen und Umformulierungen erfuhren die Statuten im Jahre 1968. Wörtlich entnehmen wir den Statutendie ersten drei Artikel, welche in den vergangenen 50 Jahren bis heute ihre Gültigkeit bewahrt haben und entsprechend immer noch gelten:

Es zeugt von weiser Voraussicht der Gründer, dass diese Statuten sich während fünf Jahrzehnten als sinnvolle Basis für die Gesellschaft herausgestellt haben und dass trotz extremer Änderungen in der Wirtschaft, Gesellschaft und im Kommunikationsbereich, keine grundlegenden Abänderungen der Statuten notwendig waren!

Ausbau der GSRF

Nach dem gut gelungenen Start setzte man die Ziele Stück um Stück um. Allen voran Dietrich Woessner. Er war das «Zugpferd». Laufend neue Mitglieder kamen besonders bei den diversen gut besuchten Vorträgen über Verwendung und Pflege der Rosen und den Rosenschnittkursen (im Tesssin mit 360 Kursteilnehmern!) dazu. Es zeigte sich allmählich, wie gross das Bedürfnis in der Schweiz war, interessierten Rosenfreunden eine Plattform zu bieten, wo man sich über Rosenfragen informieren und austauschen konnte. Zu dieser Plattform gehörten nebst den Vorträgen zwei Schriften und die Gründung von regionalen Arbeitsgruppen:

Bereits im Gründungsjahr erschien eine erste Nummer der bibliophilen Jahresschrift «Das Rosenblatt» (40 x 28 cm), welche u.a. Artikel von Dr. G. Boesch, Dietrich Woessner, aber auch Rosenaquarelle der Malerin Lotte Günthart-Maag enthielt. Diese berühmt gewordenen, aber eher unhandlichen, «Grossen Rosenblätter» erschienen in der Folge 25 Jahre lang bis zum Jahre 1984. Sie wurden abgelöst durch eine handlichere Jahresschrift in festlicher Aufmachung unter dem Titel «Rosa Helvetica».

Schon bald nach der Gründung der Gesellschaft Schweizerischer Rosenfreunde entstand unter den Mitgliedern der Wunsch, ein monatliches Orientierungsblatt zu schaffen. Dort sollten Hinweise über die Rosenpflege sowie Angaben über die Geschehnisse innerhalb der Gesellschaft erfolgen. Damit nahm eine Idee Gestalt an, die bis zum heutigen Tag weitergeführt wird: Am 15. Juli 1960 erschien die erste Monatsnummer unter dem Namen«Daskleine Rosenblatt». Dieses versieht seit 40 Jahren seinen hochgeschätzten Dienst bei den Mitgliedern; es erhielt im Mai 1999 ein etwas anderes Gesicht und einen neuen Titel «Rosenblatt».

Um einen noch persönlicheren und individuelleren Zusammenhalt unter den Rosenfreunden zu schaffen, entstanden innerhalb der GSRF, unter Leitung initiativer Rosenfreunde, einzelne regional organisierte «Arbeitsgruppen».

Die Arbeitsgruppen (heute Regionale Rosengruppen) und ihr Beitrittsjahr zur GSRF:

1959 Zürich und Thurgau; 1965 Bern; 1967 Spiez; 1968 Rapperswil; 1969 Aargau und Innerschweiz/Luzern; 1975 Schaffhausen und St. Gallen; 1976 Tessin und Winterthur; 1978 Chur; 1979 March; 1982 Basel; 1994 Zug. Als jüngste Gruppe entstand 2007 die Rosengruppe Vully.

Heute bestehen 16 solche Regionale Rosengruppen. Sie organisieren Ausflüge, Vorträge, Rosenschnittkurse. Diese Anlässe stehen grundsätzlich allen Mitgliedern der GSRF offen.

Haupttätigkeiten

In den Anfängen der Gesellschaft scharten sich viele Rosenfreunde um die
einzelnen Persönlichkeiten, welche die Gesellschaft gegründet hatten und die auch über entsprechende Kenntnisse bei der Rosenkultur, der Rosenliteratur sowie über die Malerei verfügten. Das Gesellschaftsleben veränderte sich aber allmählich in der Richtung, dass die Grossanlässe, wie die feierliche Jahrestagung (mit anfänglich über 500 TeilnehmerInnen!), heute etwas weniger gefragt sind.

Eine andere Entwicklung nahmen demgegenüber die Internationalen Rosenseminarien: Das erste Internationale Rosenseminar fand 1976 in Braunwald bei den alpinen Rosenprüfanlagen (250 Rosensorten, angelegt von D. Woessner) statt. In den folgenden 21 Jahren fanden sich jeweils etwa 30 Rosenfreunde auf der Sonnenterrasse Braunwald zusammen. Seit 1997 finden die internationalen Seminartage jedes Jahr in einer anderen Region der Schweiz statt, stark unterstützt von einer regionalen Rosengruppe. Dabei nehmen jeweils 80 bis 120 TeilnehmerInnen an den Vorträgen und Exkursionen teil. Die gute Erreichbarkeitder Tagungsorte macht es grundsätzlich allen Mitgliedern möglich, am Seminar teilzunehmen. Auch können dadurch nur einzelne Tage oder ein-zelne Vorträge besucht werden.

Nicht zu unterschätzen ist das Angebot für unsere Mitglieder, dass vier Rosenberaterinnen und Rosenberaterkonsultiert werden können. Manches Rosenproblem konnte auf diese Weise bereits am Telefon oder per E-Mail umschrieben und gelöst werden.

Grosse Arbeit wird in den Leiterteams der 16 Regionalen Rosengruppen geleistet, indem diese Vorträge, Schnitt- und Pflegekurse oder auch Reisen organisieren und damit vielen Rosenfreunden in ihrer Region den Zugang zu wertvollen Roseninformationen und Rosenkontakten ermöglichen. Sie heissen jeweils auch die neu eingetretenen Mitglieder willkommen. Dies zeigt, dass der gute «Rosengeist» überall wirkt, wo Menschen guten Willens vorhanden sind! Viele persönliche Freundschaften entstehen.

Während vieler Jahre standen jeweils auch Rosenreisen in alle Teile der Welt im Angebot. Wenn auch nur eine begrenzte Mitgliederzahl daran teilnehmen konnte, so ergaben sich daraus doch auch wertvolle internationale Verbindungen zu Rosenfreunden und anderen Rosengesellschaften. Als Reiseleiter wirkten Hans Rathgeb und Milly Weyermann.

In den letzten Jahren haben auch einzelne Regionale Gruppen vermehrt eigene Rosenreisen im europäischen Raum angeboten und dadurch viele Anregungen mit nach Hause gebracht.

Dank grossem persönlichem Engagement einzelner Rosenfreunde, vorab Milly Weyermann, ist auch die Verbindung zur Weltrosengesellschaft, World Federation of Rose Societies WFRS, aufgebaut worden. Es braucht künftig immer neu eine Persönlichkeit, welche die Zeit und die Mittel besitzt, um die- se wertvolle angefangene Zusammenarbeit weiter aktiv pflegen zu können.

Unsere GSRF war in Europa die erste Rosengesellschaft, welche über eine eigene Homepage verfügte: Dieses Aushängeschild und Kommunikationsmittel ist bei den jüngeren Mitgliedern sehr beliebt. Die zehntausend jährlichen Besuche der Homepage durch Internetbenutzer legen ein beredtes Zeugnis von der Bedeutung dieser Informations- und Kommunikationsmöglichkeit ab. Seit zwei Jahren haben wir auch den Westschweizer Rosenfreunden, der Société Romande des Amis des Roses SRAR, unsere Homepage als Plattform zur Verfügung stellen können.

Zur Rückschau gehört auch, das «Signet» unserer Gesellschaft lobend hervorzuheben: Die Rose war unseren Gründerinnen und Gründern sehr bedeutsam und stand im Zentrum ihres Interesses. Dies hat sich auf’s Schönste in unserem Logo niedergeschlagen.

Dieses Logo blieb im vergangenen halben Jahrhundert unangefochten und bleibt auch weiter so bestehen.

Zielsetzungen in den Anfangsjahren und Statuten

Ein interessantes Kapitel sind die Ziele, welche von den «Gründervätern» formuliert wurden und die daraus abgeleiteten Statuten. Im Gründungsjahr 1959 sind 12 allgemeine Zielsetzungen formuliert worden:

  1. Kontaktnahme der Rosenliebhaber unter sich und mit den Rosenkultivateuren.
  2. Beratungsdienst durch vierteljährliche oder monatliche Blätter und durch Schaffung von Beratungsstellen.
  3. Schaffung lokaler Gemeinschaften zur Förderung der Tätigkeit für die Rosen.
  4. Austausch über Erfahrungen in der Verwendung, dem Standort und der Pflege.
  5. Austausch von Ansichten und Erfahrungen mit den Rosen im Allgemeinen.
  6. Erstellung eines Sorten- und Standortregisters der Rosenkulturen in der Schweiz.
  7. Erstellung eines schweizerischen Liebhaber-Rosariums, als Stätte der Erhaltung von alten und wertvollen Rosensorten und -arten.
  8. Vermittlung von Rosensorten.
  9. Tagungen, Kurse, Vorträge, Exkursionen und Ausstellungen, die verschiedensten Probleme betreffend, welche mit den Rosen im Zusammenhang stehen.
  10. Forschungen auf den verschiedensten Gebieten der Rosen, vornehmlich in schweizerischen Verhältnissen.
  11. Aufstellung eines Registers über Rosenliteratur und Arbeiten, veröffentlichten und unveröffentlichten.
  12. Adressstelle von Dias und Austausch.