Biodiversität

Gefrässiger Kolibri unter den Fliegen
Mit den ersten warmen Frühlingstagen treiben unsere Rosen kräftig aus und schon Anfang Mai zeigen sich die ersten zarten Triebspitzen, ja oft sogar schon Blütenknospen. Und dann sind sie auch schon da, die Blattläuse. Bei uns sehr gefürchtet, sind sie bei anderen lebenserhaltend.
Dazu gehört auch die Schwebefliege, die im Schwirrflug mit ruckartigen Bewegungen die Blüten von Doldenblütler wie Dill oder Gewürzfenchel ansteuert, wo sie sich von Pollen und Nektar ernährt.
Viel interessanter für uns Rosenliebhaber sind aber ihre Larven, denn die Weibchen von etwa einem Viertel der 480 Arten, die in der Schweiz beheimatet sind, legen ihre Eier in Blattlauskolonien. Die geschlüpften blinden Larven mit zugespitzten Vorderteil packen die Läuse mit ihrem Mundwerkzeug und saugen sie aus. Übrig bleibt nur noch eine hellbraune Hülle. Ein Schwebefliegenweibchen legt in seinem kurzen Leben bis zu 1000 Eier, die Larve vertilgt pro Tag bis zu 80 Blattläuse.
Wenn wir aber die bei schönem Wetter oft vielen Blattläusen mit Spritzmitteln, auch biologischen, vernichten, erwischt es auch den Gegenspieler, nämlich die Larven der Schwebefliege. Daher gilt es gut zu überlegen, ob wir den ärgsten Befall doch nicht besser mit den Händen abstreifen und auf die Natur vertrauen, dass sie es schon richten wird.
In diesem Sinne herzlich Brigitt Buser

Schwebefliege
Die Schwebefliege ähnelt zwar einer Wespe, ist aber eine Fliege. Bild: zvg

Artenreiche Magerwiese garantiert
Eine der einfachsten Methoden, um mehr Biodiversität im Garten zu schaffen, ist die Aussaat eines Stücks Magerwiese. Mit nur Samen in den Rasen streuen ist es jedoch nicht getan, denn Magerwiesenpflanzen stellen hohe Ansprüche an den Boden. Um herauszufinden, mit was für einem Boden man es zu tun hat, empfiehlt sich daher eine Bodenanalyse.
Je sonniger die Lage und magerer der Boden, desto reicher fällt die Anzahl der Magenwiesenpflanzen gemäss Angaben des gewählten Saatgutes aus. Sind die Voraussetzungen nicht gegeben, wird die Saat zwar aufgehen, sich jedoch kaum etablieren. Ein Grund ist, dass das dafür vorgesehene Erdreich oft über Jahre hinweg kräftigt gedüngt wurde. Wer also den Wunsch von einem Stück Magerwiese bald erfolgreich verwirklichen möchte, muss bei einem zu hohen Stickstoffgehalt im Boden die oberste Erdschicht von mindestens 20 cm Höhe abtragen und mit magerer Erde ersetzen oder magere, aber sehr lehmige Böden, mit kalkarmem, gewaschenem Sand (Korndurchmesser bis 2 mm) mischen. Danach die Oberfläche lockern, bis sie feinkrümelig ist und die Fläche eine Woche ruhen lassen.
Der ideale Saatzeitpunkt ist von Mitte April bis Anfang Juni, da in dieser Zeit die Samen rasch auflaufen und die Wurzeln noch vor allfälliger Sommertrockenheit tief wurzeln. Dabei je die Hälfte des Saatgutes einmal längs und quer gehend ausbringen, knapp einen Zentimeter tief einarbeiten, anwalzen oder -klopfen und gut wässern.
Gegen Ende August, nach dem Aussamen der einjährigen Pflanzen, wird die Wiese gemäht und Ende September folgt ein weiterer Schnitt. Im folgenden Frühjahr blühen nebst Gräser und einjähriger Wildblumen auch mehrjährige Stauden wie Salbei und Wucherblume. Nach deren Absamen folgt ein weiterer Schnitt und im September ebenfalls, was nun jährlich wiederholt wird.

Magerwiese
Für eine reichblühende Magerwiese greift man am besten zu regionalem Saatgut.
Text und Bild: Brigitt Buser

Steinkauz – von Birdlife als Vogel des Jahres 2021 gekürt
Grund, warum viel Hochstammobst schweizweit in den 1960er Jahren grossflächig staatlich subventionierten Rodungsaktionen zum Opfer fiel, waren die eher qualitativ minderwertigen Obstsorten, die sich nur zum Brennen von hochprozentigem Schnaps eigneten. Nicht nur Millionen von Hochstamm-Obstbäumen wurden gefällt und alte Obstgärten überbaut, auch mussten Hecken und andere Strukturelemente zu Gunsten intensiv bewirtschafteter Landwirtschaft mit Überdüngung und dem Einsatz von Pestiziden weichen.
Der Nahrungsgrundlage beraubt, verschwanden vielerorts die Bewohner dieser Lebensräume. Dazu gehören nebst Steinkauz auch Neuntöter, Wendehals, Gartenrotschwanz, Wiesel, Zaun-eidechse und zahlreiche Pflanzen- und Insektenarten. Zwar wurde um die Jahrhundert-wende wieder vermehrt Hochstammobst gepflanzt, jedoch fehlen zwei Baumgenerationen. Die Folgen sind immer noch sichtbar. Eine gute Pflege von alten Bäumen und ein Nachpflanzen von ökologisch wertvollem Tafelobst auf Hochstamm sind folglich zwingend. Zudem benötigt es für eine langfristige Planung dringend neue Obstgärten, die Aufwertung der Lebensräume durch Massnahmen wie die Beweidung der Obstgärten, eine gestaffelte Mahd von extensiven Wiesen sowie neu angelegte Biodiversitätsförderflächen und zahlreiche Kleinstrukturen.
Laut Birdlife ist der Steinkauz heute noch in den Hochstammobstgärten der Ajoie, Eichenhainen des Kantons Genf, Niederungen des Tessins und vereinzelt im Berner und Freiburger Seeland anzutreffen.
Brigitt Buser

Steinkauz
Mäuse, Reptilien und Insekten sind die Hauptnahrung der 20 cm kleinen Eulenart. Bild: Shutterstock

Wertvolle Rosenpollen
Trotz teilweise starkem Duft verfügen Rosen über keinen Nektar. Rosenhonig ist daher ein mit Rosenöl aromatisierter Honig. Dazu bevorzugt wird der von Akazie.
Rosen werden nebst von kurzzungigen Bienen auch gerne von Fliegen und Käfern wie der grünmetallisch schimmernde Rosen- oder schwarzglänzende, sehr kleine Rapsglanzkäfer besucht.
Aber warum sieht man denn während ihrer Blüte emsig Bienen in den Staubgefässen rumwuseln? Dies sogar mehrmals und immer von aussen nach innen, denn nicht alle pollentragenden Staubgefässe geben diesen gleichzeitig ab, reifen sie doch von aussen nach innen, wobei sie sich zunehmend dunkel färben?
Ganz einfach: Der von den Sammelbienen in den Stock getragene Pollen wird als Bienenbrot in den Zellen eingelagert. Pro Flug schafft der Hautflügler bis zu 20 mg. Von den Ammenbienen verdaut wird «Power-Futtersaft» produziert, um Larven, Königin und Sammelbienen zu versorgen.
Insbesondere einfache oder halbgefüllte Rosenarten und Sorten werden gerne von Bienen besucht, sind diese doch leichter zugänglich als starkgefüllte Sorten deren Geschlechtsorgane zugunsten von mehr Petalen verkrüppelt oder gar nicht vorhanden sind.
Um die Biodiversität in unseren Gärten zu fördern, ist es daher auch wichtig, dass halbgefüllte oder eingfachblühende Arten und Sorten einen Platz finden. Einheimisch müssen Sie aber nicht unbedingt sein ;-)
Brigitt Buser


Biene mit vollen Pollenhöschen wuselt sich durch die Blüte einer Ramblerrose. Bild: zvg